Businessfotografie und KI – Brauchen Unternehmen noch einen Businessfotografen?

Fotografieren oder generieren – das ist hier die Frage!

Bojan Ritan

1/8/20264 min read

Als ich vor etwa einem Jahr meinen ersten Blogbeitrag über KI und Businessfotografie geschrieben habe, ging das relativ einfach und schnell. Für mich war die Lage und meine Meinung ziemlich eindeutig. Mittlerweile, ein Jahr später, Anfang 2026, ist die Situation für mich nicht mehr so eindeutig, und ich tue mir deutlich schwerer, diesen Artikel zu schreiben. Denn je mehr ich darüber nachdenke und recherchiere, desto mehr begreife ich, wie tiefgreifend und vielfältig die Veränderungen sind, die KI für die Gesellschaft und insbesondere für die Fotografie bzw. Businessfotografie mit sich bringt.

KI ist mittlerweile überall. Jeder benutzt sie, jeder spricht über sie. Immer mehr fotorealistische Bilder und Videos, die vollständig durch KI generiert wurden, tauchen in sozialen Medien und in der Werbung auf. Mit bloßem Auge können wir inzwischen kaum noch einen Unterschied zwischen echter Fotografie und KI-generierten Bildern erkennen. Was bedeutet das? Welche Wirkung hat das? Was macht das mit der Gesellschaft, mit der Wirtschaft, mit der Kultur, mit der Kreativität und der Kunst? Und was bedeutet das für die Fotografie – insbesondere für die Businessfotografie?

Sobald man beginnt, sich diese Fragen zu stellen, landet man relativ schnell bei sehr grundlegenden Themen: Was ist Fotografie überhaupt? Welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft? Und welche Rolle spielt Businessfotografie für Unternehmen? In diesem Beitrag möchte ich mich zunächst bewusst auf einen einzelnen Aspekt bzw. ein Phänomen beschränken, das ich in letzter Zeit persönlich erlebt habe.

Nachdem ich mir vor einigen Wochen mehrere Berichte über die neuesten Entwicklungen im Bereich der generativen Bild- und Videoproduktion angesehen hatte (Nano Banana & Co.), tauchten nahezu zeitgleich immer mehr generative Inhalte in meinem Social-Media-Feed auf. Ich begann zunehmend, Bilder zu hinterfragen: Ist das ein Foto oder ist das KI? Diese Frage stellte ich mir ständig. Dabei merkte ich, dass der gewohnte Spaß beim Betrachten der Bilder langsam abnahm. Ich hatte nicht mehr so viel Freude wie früher. Was war da los?

Zum einen sind Fotos und Videos für uns – trotz aller Manipulationsmöglichkeiten, die es schon lange vor der KI gab – in der Regel eine Abbildung der Realität. Wenn wir etwas auf einem Foto sehen, gehen wir meist davon aus, dass es wirklich existiert hat, dass es „wahr“ ist. Generative KI-Bilder hingegen werden, wie der Name schon sagt, vollständig innerhalb einer Software erzeugt. Sie bilden keine Realität ab und sind in diesem Sinne nicht wahr. Problematisch wird es vor allem dann, wenn sie vorgeben, Realität abzubilden oder authentisch zu sein. Wir fühlen uns betrogen oder getäuscht, wenn wir erfahren, dass ein vermeintliches Foto gar kein Foto ist und dass die dargestellte Person oder das Ereignis in Wirklichkeit nie existiert hat.

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist die menschliche Verbindung, die wir beim Betrachten von Fotos – bewusst oder unbewusst – erleben. Fotografie ist auch eine Form zwischenmenschlicher Kommunikation. Da ist auf der einen Seite eine Fotografin oder ein Fotograf, der das Bild auf eine bestimmte Art und Weise aufgenommen hat, und auf der anderen Seite – etwa bei Porträts – eine reale Person, die in einem konkreten Moment und in einer bestimmten Situation fotografiert wurde. Eine Person, die etwas gefühlt, gedacht oder getan hat und in deren Welt wir für einen Augenblick eintauchen. Wir spüren etwas, wir fühlen etwas.

Bei KI-generierten Bildern fehlt diese Bedeutungsebene vollständig. Wir spüren keine Verbindung – weder zu einem Fotografen noch zu einer dargestellten Person, weil es beides nicht gibt. Die Begegnung, die beim Fotografieren zwischen Menschen entsteht, existiert hier nicht. KI-generierte Bilder sind somit – auch wenn sie etwas anderes suggerieren – letztlich inhaltsleer.

Was bedeutet das nun für Sie und für Ihr Unternehmen? Sollten Sie komplett auf KI-generierte Bilder verzichten? Nicht unbedingt. KI kann in bestimmten Bereichen, etwa bei der Konzeptvisualisierung, Ideenfindung, Illustration oder im kreativen Prozess, durchaus ein wertvolles Werkzeug sein und Vorteile wie Schnelligkeit oder geringere Kosten bieten. Am Ende muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, wo KI sinnvoll eingesetzt wird und wo echte Fotografie die bessere Wahl ist.

Wenn es jedoch um Businessportraits und Mitarbeiterfotos geht, würde ich Ihnen ganz klar empfehlen, einen Businessfotografen zu engagieren und echte Fotos anfertigen zu lassen. Denn bei Porträts geht es darum, echte Menschen zu zeigen – und das ist nur mit Fotografie möglich. Mit authentischen Bildern können Sie Persönlichkeit, Teamkultur und Diversität sichtbar machen. Ihre Kunden möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben, und echte Menschen sehen statt generischer KI-Gesichter.

Gerade in einer Zeit, in der KI allgegenwärtig ist, werden Glaubwürdigkeit und Authentizität zu einem noch stärkeren Qualitäts- und Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Und nicht zuletzt werden sich auch Ihre Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen, wenn Sie in professionelle, echte Mitarbeiterporträts investieren. Stichwort: Employer Branding.

Bojan Ritan
Bojan Ritan

Bojan Ritan - Selbstportrait

ÜBER BOJAN RITAN
Bojan Ritan ist ein Münchener Fotograf, der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf modernen und kreativen Business Portraits. Vor seiner Selbstständigkeit als Fotograf im Jahr 2017 war er als Marketing-Manager im Medienbereich tätig. Bojan ist ein Photoholic, ein Cineast und ein Musikjunkie. Mehr über ihn und seine Arbeit erfahren Sie auf seiner Website.

Mit Gemini KI-generiertes Bild eines nachdenkenden Businessfotografen.

KI Business Fotograf
KI Business Fotograf